Swami Sivananda hat einmal gesagt: „Ein Gramm Praxis wiegt mehr als eine Tonne Theorie.“
Auf die Frage, warum er dann mehr als 200 Bücher geschrieben hat, antwortete er: „Manche Menschen brauchen eine Tonne Theorie, um ein Gramm Praxis hinzukriegen“ (oder so ähnlich).
Grundsätzlich braucht Yoga das geschriebene Wort nicht. Ein Yogi braucht die Bereitschaft und den unbedingten Willen, zu praktizieren und entsprechende materielle Voraussetzungen (ein Stück Boden, eine Matte und je nach körperlichen Gegebenheiten eine Decke, Blöcke, Gurte).
Kleidung ist theoretisch nicht notwendig, meistens aber durchaus praktisch.
Am wichtigsten jedoch: Ein Yogi braucht einen Lehrer.
Am Anfang ist der Lehrer Jemand, der neben oder vor dem Yogi steht, ihm die Asanas und Grundprinzipien erklärt und bei Bedarf auch vormacht.
Ein Lehrer ist dazu da, dem Yogi aufzuzeigen, was und warum er falsch macht und ihm die Lösung beizubringen.
Später hat der Yogi zwei Lehrer: Seinen Körper und seinen Geist.
Sein Körper meldet ihm, was und warum er etwas falsch macht und sein Geist hilft ihm dabei, durch Erspüren und gezielte Konzentration, das zu entziffern, was der Körper so sagt.
Wenn der Yogi so übt, braucht er kein Buch, keine Zeitschrift und auch nicht den Werbekatalog für coole Yogaklamotten, denn Yoga erlebt man am besten alleine, ohne Ablenkungen und – wer in Faible für Klassiker hat – auf einem Boden aus gut festgetretenem Kuhdung (nicht Jedermanns Sache), geschützt vor den Blicken Anderer.
Allenfalls Bilder können (später) bei Zweifeln anstelle der Kenntnis und Weisheit des Lehrers heran gezogen werden, um Erinnerungen aufzufrischen oder sich neue Anregungen zu holen.
Das (neue) geschriebene Wort ist jedoch auch hier noch nicht immer zwingend erforderlich, alles, was es zu Asanas und anderen Techniken zu lesen gibt, wurde bereits geschrieben.
Warum dann also dieser Blogeintrag?
Nun, Swamiji erklärt es bereits: Manche brauchen eine Tonne Text mal dieselbe Erklärung, bis es bei ihnen ‚Klick’ macht.
Das hat nichts damit zu tun, dass Jemand dumm oder schwer von Begriff ist. Es hat damit zu tun, dass Menschen unterschiedlich sind, unterschiedlich erzogen und erwachsen wurden und es unterschiedlicher Worte braucht, um zu ihnen durchzudringen.
Manche mögen Spaghetti Bolognese, andere lieber Carbonara. Die Nudeln sind dieselben, aber nur mit der richtigen Sauce bekommt man sie runter.
Genauso ist es mit Worten. Wenn drei Lehrer dieselbe Asana und ihren Hintergrund beschreiben, tut das jeder auf seine Weise und jeder erreicht seine Schüler auf eine andere Art.
Manchmal steht jedoch ein Kommunikationsproblem zwischen einem Lehrer und seinem Schüler und wenn der Schüler dann einmal einen anderen Lehrer besucht, dann sagt dieser vielleicht nur ein anderes oder zwei andere Worte als der Stammlehrer und dem Schüler werden zehn Dinge auf einmal klar, die bei ihm seit Monaten in der Warteschleife standen und nur darauf gewartet haben, durch die richtigen Worte frei gegeben zu werden.
Dann sollten alle drei, der Schüler und die beiden Lehrer dankbar sein und keinem der anderen grollen.
Der Schüler sollte seinem eigentlichen Lehrer nicht grollen, dass dieser in diesem Fall nicht die richtigen Worte gefunden hat, denn auch der Lehrer ist nur ein Mensch und hat schon viele andere richtige Worte als Nährboden in den Schüler gelegt.
Der Lehrer sollte aber auch dem Schüler nicht grollen, dass er Erfolg bei einem anderen Lehrer gefunden hat, denn der Erfolg des Schülers ist sein Anliegen und seine Aufgabe, auf welche Weise der Schüler das dann auch immer realisiert.
Schlussendlich sollte auch der Vertretungslehrer niemandem grollen, denn er ist nur Vertretungslehrer.
So oder so, Worte können helfen, heilen und vielleicht führen sie den einen oder anderen eines Tages zur Erleuchtung.
Deswegen in Zukunft hier wieder unregelmäßig neue Blogeinträge zu Themen, die vielleicht schon jeder kennt, aber noch nie in dieser Form gehört hat
(Bildquelle: http://angelicview.files.wordpress.com/2012/06/meditation1.jpg)
