Yoga Haltungen Teil 2: 5-8 Atemzüge – Schwitzen und die kurze Haltung von Asanas

Yoga Haltungen Teil 2: 5-8 Atemzüge - Schwitzen und die kurze Haltung von Asanas

Rishi Vamana in der Yoga Korunta:

„Vina vinyasa yogena asanadin na karayet (Oh Yogi, praktiziere Yoga nicht ohne vinyasa!)“

In Teil 1 wurde die Wichtigkeit, Asanas lange zu halten, erklärt.
Erst, wenn man dem momentanen Spannungszustand des Körpers eine angemessene Korrekturspannung entgegen hält, kann sich dieser Grundspannungszustand verändern und können tief liegende Beeinträchtigungen des Körpersystems des Menschen behoben oder wenigstens beeinflusst werden.

Im modernen Yoga finden wir jedoch mit den diversen Vinyasa Sorten (Power Yoga, Power Vinyasa Yoga, Yoga Flow, Ashtanga Vinyasa Yoga, um nur einige zu nennen) viele Yogastile, die sich durch eine relativ kurze Verweildauer in den Asanas (5-8 Atemzüge) auszeichnen.
Sind diese dann komplett sinnlos?
Oder eher Sport als Yoga?
Manche sicherlich, denn Yoga ist vor allem etwas, das im Inneren passiert (dazu jedoch mehr in Yoga Haltungen Teil 3).
Doch haben auch diese Systeme mit ihrer kurzen Dauer eine fundierte Theorie dahinter und eine Daseinsberechtigung, wenn sie richtig ausgeführt werden.
Kurze Haltungen funktionieren nur in Zusammenhang mit der Praxis von Vinyasa.
Vinyasa meint in diesem Fall die halbe Sonnengrußbewegung zwischen den einzelnen Asanas; meistens: Jump back, Chaturanga Dandasana, aufwärts schauender Hund, abwärts schauender Hund, Sprung oder Walk in die nächste Asana.

Vinyasa setzt sich zusammen aus: ‚nyasa’ – „platz(-ieren)“ und ‚vi’ – „richtig/auf besondere Weise“.
Eine Vinyasa entsteht erst, wenn man Atmung und Bewegung „in richtiger Weise“ zusammenbringt, also synchronisiert.
Durch diese Verbindung wird (wie es auch beim Sonnengruß sein soll) viel Hitze im Körper generiert.
Mit dieser Hitze arbeiten die bewegungsorientierten Stile mit den kurzen Haltungsphasen.
Einer der Gründe für das kurze Halten ist die Vermeidung der Auskühlung, weswegen es nach jeder Asana auch wieder eine Vinyasa geben soll.
Der zweite Grund ist, dass durch diese Hitze sehr viel Energie entsteht, mit der man erst mal umgehen lernen muss und lange Haltephasen wären für die meisten Schüler viel zu viel Energie und würden eher zu Schäden, als zum Nutzen führen.

Bewegungsorientierte Stile haben daher nicht in erster Linie das Ziel, Fehlmuster im Körper mit Gegenspannung zu regulieren, sie wollen diese Fehlmuster sehr lapidar gesagt einfach „ausschwitzen“.
Power Stile sind schweißintensiv. Je mehr Schweiß, desto besser.
Schmeckt der Schweiß irgendwann nicht mehr nach Salz, ist man auf der Ebene der Zellreinigung angelangt, kann also im kleinsten Baustein des Körper direkt arbeiten und baut darauf, dass durch diese Reinigungsprozesse ein reinigender Effekt auf das Gesamtsystem zustande kommt.
Die große Hitze durch die Verbindung von Atmung und Bewegung wird verglichen mit dem Blasebalg am Feuer eines Schmieds. Der Körper soll „glühen“ wie das Eisen auf dem Amboss und wenn er dann „glüht“ kann man ihn nach Wunsch Formen.
Das Prinzip ist also nicht „Spannung gegen Spannung“, sondern „Auflösen der Grundspannung“.

Ein drittes Prinzip aus der Sporttheorie sagt, dass kurze intensive Muskeldehnungen zu einer Muskel-gegen-Spannung führen und dadurch die beteiligten Muskeln kräftigen.
Während bei sehr langen Dehnungen (wie z.B. im Yin Yoga) der Muskeltonus stark herab gesetzt wird und man bei ausschließlicher Dehn-Praxis irgendwann Gefahr läuft, schlaff und antriebslos zu werden, reagiert Muskelgewebe bei kurzen Dehnreizen mit Kräftigung.
Allerdings sind die Muskelfasern während des Aufbauprozesses aufgrund der voran gegangenen Dehnungen geschmeidiger und behalten diese Geschmeidigkeit auch bei. „Yoga-Kräftigung“ ist also zum Muskelaufbau (laut diese Theorie) gesünder als normales Krafttraining.
Als Vergleich für dieses Prinzip wird gerne das Fußgewölbe heran gezogen.
In Sportarten, die ein starkes Sprungvermögen benötigen (Volleyball, Basketball, etc), trainieren die Sportler viele Einzelsprünge. In der Folge kräftigt und stärkt sich das Fußgewölbe. Die Trainingsreize auf das Gewebe sind kurz, ähnlich wie bei den Yogastilen mit kurzer Haltephase.
Wenn man sich dagegen das Fußgewölbe übergewichtiger Menschen ansieht, die ihren Füßen durch ihr Gewicht beim Stehen und Gehen eine Dauerdehnung aufzwingen, findet man häufig Platt- und Spreizfüße. Das Gewebe hat nachgegeben und ist erschlafft. Der Ursprungstonus wurde also erfolgreich „reguliert“.

Bei klassischem/Hatha Yoga läuft man sicher nicht Gefahr, irgendwann ein menschlicher Plattfuß zu werden, eher das Gegenteil tritt ein, wenn man sich an die Anweisungen seines Lehrer und der Schriften hält.
Dennoch sollte man sich die Offenheit bewahren, wahrzunehmen, dass es mehrere Wege im Yoga gibt und moderne Stile, nur weil sie schneller und auf andere Art intensiv sind, dennoch nicht automatisch „unyogisch“ werden.
Welchen Weg man wählt oder ob man beide verbindet und abwechselnd auf die eine und dann wieder auf die andere Weise übt, sollte jeder für sich selbst entscheiden.

Wichtig bei jeder Form von Yoga, absolut essentiell, ist jedoch, bei Yoga zu bleiben und es nicht Sport werden zu lassen (nichts gegen Sport an sich!).
Die Prinzipien dafür sind in jedem Stil dieselben und welche das sind, steht in „Yoga Haltungen Teil 3“.

(Bildquelle: http://www.yogajaya.com/images/workshops/acroyoga.gif)

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